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Die Bibel - nur ein Irrtum?

Der Kommentar:

Die Bibel ist menschliches Reden über Gott. Weil Menschen sich irren können und nicht allwissend sind, ist es nur zu gut verständlich, dass den biblischen Autoren Fehler und Irrtümer unterliefen. Sie fallen manchmal schon bei sorgsamer Lektüre der Bibel auf, manchmal gehört detektivischer Spürsinn dazu, sie aufzudecken. Es gibt in der Bibel klare, eindeutige und unüberwindbare Widersprüche und eindeutige historische Fehler. So wird die Schöpfung nicht einmal, sondern zwei Mal in stark voneinander abweichenden Varianten erzählt. Wie das Drehbuch zu einem imposanten Hollywoodmonumentalfilm liest sich die Eroberung von Jericho. Die einstige Metropole musste aber nicht erst, wie die Bibel behauptet, erstürmt werden. Ihr einst mächtiger Schutzwall war bereits viele Jahrhunderte vor dem Einzug der »Kinder Israels « einem Erdbeben zum Opfer gefallen. Einen kriegerischen Einfall in das »Gelobte Land« gab es in der Historie nicht. Es wurde nicht mit Militärgewalt genommen, sondern nach und nach besiedelt. Unsere heutigen Bibelausgaben sind keine Originaltexte. Es handelt sich vielmehr um Übersetzungen von Übersetzungen. Durch wiederholtes Übertragen von Texten von einer in die andere Sprache schlichen sich zahlreiche Irrtümer ein. Dabei können schon kleine Übersetzungssünden zu gravierenden Missverständnissen führen. Liegen versehentliche Irrtümer oder bewusste Verfälschungen vor? Jesus war Jude und sprach Aramäisch, nicht Griechisch. Beim Übersetzen seiner Worte aus dem Aramäischen ins Griechische kam es zu sinnentstellenden Irrtümern. So wurde aus einem Seil, das nicht durch ein Nadelöhr gehen kann, ein Kamel. Jesus heilte – so die Bibel – am Sabbat einen Gelähmten. Er forderte ihn keineswegs zu einem provokativen Bruch der Feiertagsruhe auf. Auch kann er von den Schriftgelehrten seiner Zeit keineswegs beschuldigt worden sein, selbst gegen das heilige Sabbatgebot verstoßen zu haben. Heilungen von Kranken am Sabbat waren die Pflicht des medizinisch Wissenden. Sie waren auf keinen Fall verboten. Dramatisch mutet die Szene an, die zu den bekanntesten der Bibel gehört: Petrus verriet in Todesangst seinen Herrn, bevor der Hahn dreimal krähte. Der Verfasser irrte: Zur Zeit Jesu gab es in Jerusalem nicht einen einzigen Hahn. Die Bibel ist menschliches Reden über Gott. Die Verfasser waren Kinder ihrer Zeit, tief verwurzelt in jahrtausendealtem Denken. Die Zeiten haben sich seither ebenso geändert wie das Denken der Menschen. Wir leben nun einmal zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus. Heute ist es durchaus legitim, völlig unakzeptable Gesetze als Irrtümer abzulehnen, mögen sie noch so deutlich im »Alten Testament« formuliert sein. Niemand wird heute noch das Gebot befolgen, unartige Kinder zu Tode zu steinigen. Niemand wird heute noch die Wiederverheiratung von Geschiedenen als todeswürdiges Vergehen ansehen. Und niemand wird die Todesstrafe für Homosexuelle fordern. Kein Mann wird heute seine Ehefrau steinigen, wenn er feststellt, dass sie nicht mehr Jungfrau ist. Irrig ist auch die Annahme, dass biblische Texte allesamt Originale sind. Sie gehen häufig auf uralte Vorlagen aus vorbiblischen Zeiten zurück. Die Mythen von der Erschaffung Adams oder von der Sintflut sind keineswegs urbiblisch, sie entstammen aus uralten vorbiblischen Überlieferungen. Biblische Irrtümer entstanden nicht nur beim Verfassen der altehrwürdigen Texte. Auch heute noch unterliegen wir biblischen Irrtümern, schon allein deshalb, weil wir zu wenig wissen, was wirklich in der Bibel steht. Als Basis des christlichen Glaubens galt und gilt die Bibel. Doch wesentliche Bestandteile, die aus dem Alltagsglauben auch des eifrigsten Kirchgängers nicht mehr wegzudenken sind, finden sich nirgendwo in der Bibel, wo sie aber – Irren ist menschlich – vermutet werden. Die biblische Eva verführte Adam nicht zum Biss in den Apfel. Diese Frucht taucht im entsprechenden Bibeltext gar nicht auf. Quelle ist eine lateinische Übersetzung des »Alten Testaments«. Die »Heiligen Drei Könige« Caspar, Melchior und Balthasar kommen im »Neuen Testament« gar nicht vor. Auch das ist ein biblischer Irrtum, seit Jahrhunderten im katholischen Volksglauben und Brauchtum fest verankert. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich die katholische Kirche davon vehement distanziert. Vermeintlich urbiblische christliche Lehren finden sich nicht in der Bibel: Die Heilige »Dreieinigkeit« war den Autoren der Bibel ebenso unbekannt wie die Unsterblichkeit der Seele. Eine der stärksten religiösen Gemeinschaften der Welt sind die Zeugen Jehovas. Der vermeintliche Gottesname Jehova ist aber ein simpler Irrtum: ein Lesefehler! Zu den grundlegenden Aussagen des christlichen Gottesdienstes in der Vorweihnachtszeit zählt die Behauptung, Jesus sei im »Alten Testament« vorhergesagt worden. Irrtum: Die angeblichen Jesus-Prophezeiungen sind schlicht Fehlinterpretationen von Texten aus dem »Alten Testament«, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus sind wir stolz auf unser modernes wissenschaftliches Weltbild. Wir wissen heute, dass das gesamte Universum vor Jahrmilliarden als das Ergebnis einer unvorstellbaren Explosion gigantischen Ausmaßes entstand. Seither dehnt es sich in rasender Geschwindigkeit aus. Wir wissen nicht zuletzt seit der ersten Landung von Menschen auf dem Mond, dass unser blauer Planet eine winzige Kugel, eine kostbare Oase in den unendlichen Weiten des Universums ist. Wir kennen den inneren Aufbau von »Mutter Erde«. Wir wissen, dass die Kontinente wie Flöße auf dem zähflüssigen Erdkern schwimmen. Und in unverkennbarer Hybris unterstellen wir den Verfassern biblischer Texte ein völlig irriges, falsches Weltbild. Auch das ist biblischer Irrtum: das Unterstellen falscher Weltbilder. Sorgfältiges Quellenstudium biblischer Texte verdeutlicht nämlich, dass sich hinter scheinbar harmlosen Formulierungen erstaunlich moderne und korrekte Erkenntnisse verbergen. Dies sind die »biblischen Irrtümer« und ihre Quellen: Die einzelnen Texte der Bibel wurden von Menschen geschrieben. Ihnen unterliefen Irrtümer. Die verschiedenen Texte wurden von Menschen zur Bibel zusammengefügt. Auch ihnen unterliefen Irrtümer. Die Bibel wurde von Menschen übersetzt. Und wiederum kam es zu Irrtümern. Die Bibel wurde und wird von Menschen interpretiert. Wieder gibt es Fehler. Auf biblische Irrtümer hinzuweisen, das ist kein Angriff auf die Bibel. Biblische Irrtümer zu benennen, das bedeutet auch keine Abkehr vom »Buch der Bücher«. Es ist Voraussetzung für die Annäherung an die wirklichen Aussagen vom »Alten« und »Neuen Testament«.

Es reicht nicht, nicht zu sagen zu haben - man muss auch unfähig sein, das auszudrücken.

Es gibt Menschen, die sind der beste Beweis dafür, dass der Komplettausfall des Gehirns nicht zwangsläufig zum Tode führt.